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Autor: Daniela Hofmann
Ort: München, Deutschland
Format: Text
Thema: Frauenrechte, Politik, Gesellschaft, Religion
Datum: 03.11.2018
Portal: www.council-of-athena.com
Textdauer: ca. 10 Min.
Sprache: Deutsch
Titel: Warum die (gefühlte) Sicherheit für Frauen nachlässt - Eine Analyse
 
 
Den nachfolgenden Artikel habe ich in weiten Teilen bereits vor zwei Jahren veröffentlicht – und leider hat dieser nichts an Aktualität eingebüßt.
 

Warum die (gefühlte) Sicherheit für Frauen nachlässt - Eine Analyse

 
Wieder einmal wird eine junge Frau in Deutschland vergewaltigt. Ein schreckliches Verbrechen, das mit äußerster Härte bestraft werden muss. Täter: nicht nur einer, sondern lt. Medienangaben bis zu 15 Männer, größtenteils Geflüchtete bzw. Deutscher mit Migrationshintergrund. Nicht allein die Tat macht fassungslos, sondern auch, wie manche Politiker diese Tat instrumentalisieren und versuchen, das für ihre eigenen Ideologien auszuschlachten – und zwar unabhängig davon, welcher Partei sie angehören. Eine Demonstration „gegen sexuelle Gewalt“ in einem Atemzug mit „gegen rechts“ wird der Sache nicht gerecht und zeugt meiner Meinung nach davon, dass man nicht gewillt ist, sich ernsthaft mit den Ursachen auseinanderzusetzen. Denn dieses Verbrechen hat mitnichten etwas mit Rechts oder Links zu tun, sondern mit patriarchalischen Strukturen und einem Frauenbild, in dem der Frau an sich nicht viel Wert beigemessen wird.
 
Ein Rückblick
 
In Europa setzte mit der französischen Revolution auch eine Frauenbewegung ein, die im Laufe der Jahre viel in Sachen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, nicht nur vor dem Gesetz, erreicht hat. Das Bild von der Hausfrau, die brav hinter dem Herd steht und Mann und Kinder versorgt, hat sich, nach teilweise hartem Kampf, gewandelt. Aktives und passives Wahlrecht stehen der Frau ebenso zu wie freie Berufswahl, Studium oder Vorstands- und Aufsichtsratsposten.
 
Ein Blick auf die Weltkarte jedoch zeigt, dass diese Art Gleichberechtigung überwiegend in den Ländern zu finden ist, in denen die Demokratie als Staatsform Einzug gefunden hat: die europäischen Länder, USA, Kanada, Australien, Neuseeland.
Anders sieht es in vielen Ländern aus, in denen man sich auf den Koran und religiöse Führer beruft und in denen Jahrhunderte alte patriarchalische Clanstrukturen herrschen, in der die Rolle der Frau auf die Mutter, die Ehefrau oder die Schwester reduziert wird und sich die Ehre des Clans nach dem „Ehre-und-Schande-Prinzip“ über die „Reinheit“ der Frau, sprich ihrem sexuellen Verhalten, definiert. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass in diesem Kontext selbst bei einer Vergewaltigung die Frau selber schuld ist, da sie aufgrund ihres Verhaltens den Mann in irgendeiner Form gereizt haben muss.
 
Um diese Strukturen aufrecht zu erhalten und die Macht des Patriarchats zu sichern, bedient man sich der Religion, um unter diesem Deckmantel die individuelle Entfaltungsfreiheit der Frau einzuschränken bzw. zu unterdrücken.
 
Die Rückkehr des Patriarchats in Europa; Beispiele
 
Belgien 1967
 
Belgien steckt seit Jahren in einer chronischen Finanzkrise. Der belgische König Baudouin und der saudi-arabische König Faisal schließen einen Pakt: für billiges Erdöl erhält Saudi Arabien im Gegenzug per Pachtvertrag auf 99 Jahre den orientalischen Pavillon im Brüssels Park Cinquentenaire. Hier entsteht im Laufe der Jahre mit finanziellen Mitteln aus Saudi Arabien nicht nur die größte Moschee Belgiens, sondern auch eine Parallelwelt mit radikalen Schulen, die ungehindert den saudi-arabischen Wahhabismus und sein frauenfeindliches Weltbild propagieren und die Menschen missionieren dürfen.
 
Deutschland 1955
 
Deutschland erlebt nach dem 2. Weltkrieg einen wirtschaftlichen Aufschwung und benötigt dringend Arbeitskräfte. Mit Italien (1955), Spanien und Griechenland (1960), Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968) werden Anwerbeverträge für Gastarbeiter geschlossen. Viele die kamen gingen ursprünglich von einem zeitlich beschränkten Aufenthalt aus und blieben eher unter sich. Ihr Ziel war es, die Familie in der Heimat finanziell zu unterstützen uns zu sparen, um sich dort später ein besseres Leben aufbauen zu können. Doch das Ende des Wirtschaftswachstums führte dazu, dass viele, gerade türkische Gastarbeiter blieben und ihre Familien, und damit auch die patriarchalischen Strukturen, nachholten. Und auch hier begannen sich parallele Gesellschaftsstrukturen aufzutun. Augenscheinlich hat sich nur ein Teil dieser Menschen in Deutschland integriert, sieht sich als Deutscher und respektiert das Grundgesetz.
 
Die Rolle der DITIB
 
Unerfahren im Umgang mit dem Islam überließ die damalige Regierung das Lehren der Religion ausländischen Imamen bzw „der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V. (türkisch Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, abgekürzt DİTİB)“. Sie ist eine der größten sunnitisch-islamischen Organisationen in Deutschland und untersteht der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei, welches dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert ist. Der Vorsitzende der DİTİB ist zudem türkischer Botschaftsrat für religiöse und soziale Angelegenheiten. Auch heute noch werden die Imame an den staatlichen theologischen Hochschulen in der Türkei ausgebildet, da man dies dort aufgrund der Sprache besser könne als in Deutschland, wir mir ein Vertreter der DITIB vor einiger Zeit erklärte. Die meisten Imame sprechen jedoch kaum Deutsch, wenn sie für fünf Jahre nach Deutschland geschickt werden und sind de facto Beamte des türkischen Staates, der sie auch bezahlt. Zunehmend gerät die DITIB aufgrund ihrer Äußerungen, bei ihnen auftretenden Hasspredigern und den teilweise als islamistisch auszulegenden Interessen der Türkei ins Fadenkreuz der Kritik. Seit September diesen Jahres prüft das Bundesamt für Verfassungsschutz, ob bzw. in wie weit eine Einstufung der DİTİB-Zentrale als Verdachts- oder Beobachtungsobjekt möglich ist. Nach zahlreichen Gesprächen innerhalb und außerhalb der „Migranten-Communities“ habe ich den Eindruck gewonnen, dass viele der hier in dritter, vierter Generation lebenden Deutschen mit türkischen Wurzeln die patriarchalischen Strukturen beibehalten haben und die Religion mit der Scharia als legitimen Rechtskorpus über das Grundgesetz stellen. Und damit auch ein Rollenbild der Frau, welches den allgemeingültigen Menschenrechten widerspricht.
 
Die Flüchtlingskrise
 
In einem erheblichen Ausmaß trägt auch die Flüchtlingskrise dazu bei, die 2015 ihren bisherigen Höhepunkt fand, als zig tausende Menschen nach Deutschland kamen. Ausgelöst durch ein „wir schaffen das“ und die Öffnung der deutschen Grenzen, kamen nicht nur Flüchtlinge nach Deutschland, die vom Krieg getroffen wurden. Sieht und hört man sich im Nahen Osten näher um, so wurde wie bei dem Spiel „Stille Post“ aus „Wir lassen die Flüchtlinge, die bereits in Europa sind auch nach Deutschland“ ein „Deutschland hat uns eingeladen“. Dieses Verkehren der Aussage veranlasste viele unnötiger Weise dazu, in der Hoffnung auf ein besseres wirtschaftliches Leben, Hab und Gut zu verkaufen und sich Schleppern anzuvertrauen, um nach Europa zu gelangen – um hier dann in einem Flüchtlingscamp auf die harte Realität zu stoßen. Eine Gegebenheit, die Simon Jacob, freier Journalist und stellvertretender Vorsitzender von Project Peacemaker e.V. auf seinen Reisen in den Nahen Osten immer wieder zu hören bekam.
 
Die meisten der Menschen, die in dieser Zeitspanne nach Deutschland kamen, waren Muslime, darunter scheinbar auch welche, die eine extremistische Ideologie vertreten, sowie einige wenige Jeziden und Christen. Hinweise drauf fand der Journalist Simon Jacob bei seinen Recherchen 2018 im berühmt-berüchtigten Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Dass die Geflüchteten ihre Glaubensauslegungen und anerzogenen Strukturen und Weltbilder nicht an der Grenze ablegen würden und Konflikte vorprogrammiert waren, war und konnte vielen der hiesigen Bevölkerung nicht unbedingt klar sein. Doch die Politik hätte es wissen müssen. Die warnenden Stimmen waren nicht erst seit den Übergriffen in der Silvesternacht von Köln da, sondern seit Beginn des arabischen Frühlings. Dokumentationen zum Beispiel seitens der ARD mit Simon Jacob und seine Berichte wurden nur schlichtweg ignoriert und werden es teilweise heute noch von denen, die sich lieber stur stellen und auf den Schutz der Menschen die hierher kommen verweisen, ohne dabei zu bedenken, dass ihnen auch und in erster Linie der Schutz der eigenen Bevölkerung anvertraut ist. Aber dafür müsste man Fehler eingestehen und von seinem ideologischen Ross heruntersteigen, ja vielleicht sogar die Exekutive stärken. Und das tut weh.
 
Heute
 
Wenn man die letzten beiden Jahre vor seinem inneren Auge Revue passieren lässt, so hat man den Eindruck, dass es sich nicht zum Guten geändert und die Politik die Entwicklung weiterhin verschlafen hat. Gefühlt täglich liest man von Messerangriffen und Übergriffen auf Frauen. Vor zwei Tagen wurde laut Medienberichten eine junge Frau in Straßburg / Frankreich von drei Männer beschimpft und geschlagen, weil sie einen Rock trug. Sie hat sich die ihr zustehende Freiheit genommen, das zu tragen, was sie möchte. Man hat versucht sie einzuschüchtern und ihr diese Freiheit zu nehmen. Focus online betitelt diese Tat nun als „sexistischen Angriff“. Die Aussage eines älteren Herren, er hätte keine „hübsche junge Frau“ erwartet, war vor rund zwei Jahren nicht nur manchen Zeitungen ein riesiges „Sexismus“ wert. Vergleicht man die beiden Situationen, so ist der Begriff „sexistischer Angriff“ fast schon dreist, verharmlosend und wird der Sache nicht gerecht. Es war ein gewalttätiger Angriff, nicht nur auf eine Frau, sondern auf die Freiheitsrechte an sich. Auch, und das ist offensichtlich den wenigsten Männern bewusst, auf ihre Freiheit. Denn wenn das so weitergeht, wird irgendwann jeder Mann, der sich einer Frau nähert, erst einmal unter Generalverdacht gestellt werden. Dann ist es nichts mehr mit einem netten Gespräch, einer Einladung auf einen Kaffee, ins Kino, auf ein Eis... und irgendwann wird MANN sich nicht mehr trauen, FRAU anzusprechen.  
 
Die Frauen in Deutschland haben somit nicht nur die Übergriffe derer zu fürchten, die nicht bereit sind, unsere Werte, Traditionen und unsere Demokratie zu akzeptieren und sich danach zu richten, sondern auch diejenigen, die sich in Deutschland gegen die eigene weibliche Bevölkerung stellen, indem sie die patriarchalischen Strukturen und damit auch das verzerrte Bild gegenüber der Frau schützen – und sei es nur durch Schweigen.
 
Frauenrechte sind Menschenrechte und Menschenrechte gehen uns alle an!
 
Daniela Hofmann
Vorsitzende Council of Athena
 
Lesen Sie hierzu auch:
 
Moria hätte es niemals geben dürfen
Rafat – Flüchtling zwischen Terror und Angst
Christliche Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak – Istanbul, Drehkreuz nach Europa

 

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